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SV Grün-Weiß Birnbach

SV Grün-Weiß Birnbach

Der Verein wurde am 09.08.1930 gegründet. Der Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

- 1. Vorsitzender: Lehrer Artur Schneider

-  2. Vorsitzender: Christian Schumacher

(ab 1931 Emil Hilgeroth)

- Kassierer: Julius Koch

- Schriftführer: Heinrich Seinsch

 

Anfangs hatte der Verein ca. 100 Mitglieder, deren Zahl sich später auf ca. 75 einpendelte. Die Vereinsgründung fiel in eine von Krisen geschüttelte Zeit. Auch die Jahre danach waren nicht besser. Die finanziellen Belastungen waren aufgrund der enorm hohen Arbeitslosen nur schwer zu bewältigen. Ein Sportplatz im heutigen Sinne war, genau wie in den Anfangsjahren des SSV Weyerbusch, nicht vorhanden. Es wurden einfach Kuhwiesen zu Sportplätzen umfunktioniert. So wurde das erste Heimspiel gegen Berod (1:2) auf der Weide Dürsch gegenüber dem Wölmerser Weg ausgetragen. Ab 1931 wurde eine Wiese im „Ziegenstück“ von Otto Hassel aus Wölmersen gepachtet. Im Frühjahr 1931 wurde der Verein in den Westdeutschen Spielverband (WSV) aufgenommen und der 2. Gauklasse zugeteilt. Der Spielbetrieb lief unter großer Begeisterung ab, obwohl es, wie überall in dieser Zeit, an ausreichendem Sportgerät und entsprechender Sportausrüstung fehlte. Aus diesem Grunde wurde auch in der ersten Zeit in preisgünstigen Badehosen gespielt. (Bei näherem Hinsehen ist dies auch auf dem nachstehenden Bild zu erkennen.) Trotz aller Erschwernisse drückte das Problem Sportplatz. 1931 führten die Bemühungen zum Erfolg. Mit den Waldinteressenten Birnbach konnte ein langfristiger Pachtvertrag „Auf dem Berg“ abgeschlossen werden.


Im Frühjahr 1931 konnte dann mit dem Sportplatzbau begonnen werden. Heute stellt sich das natürlich viel einfacher dar, als es in Wirklichkeit war. Über Mittel für Fremdleistungen verfügte der Verein in einer von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten Zeit nicht. Die einzige Möglichkeit bestand darin, auf die Tatkraft der Mitglieder zurückzugreifen. Jedem Mitglied wurde daher zur Auflage gemacht, eine bestimmte Anzahl an Stunden am Sportplatzbau zu erbringen. Mit Arbeitsstunden konnten auch rückständige Beiträge abgearbeitet werden. Berufstätige ließen ihr Soll gegen Bezahlung von Arbeitslosen leisten. Begeisterung und zäher Wille der Mitglieder führten dazu, daß bereits im Mai 1932 die Einweihung des Sportplatzes mit Fußballspielen und leichtathletischen Wettkämpfen erfolgen konnte. Es bleibt zu erwähnen , daß zu dieser Zeit bereits ein Tennisplatz vorbereitet worden ist, der natürlich nie fertiggestellt wurde. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß die vorgesehene Fläche auf der südlichen Kopfseite des Sportgeländes lag und von den Schülern der Volksschule Birnbach zeitweise bei Weitsprungübungen (Sprunggrube) mitbenutzt wurde. Der Spielbetrieb beim SV „Grün-Weiß“ wurde mit Begeisterung aufgenommen. Dennoch zeigte sich sehr schnell, daß Begeisterung alleine nicht ausreichte. Es fehlten immer noch Geldmittel an allen Ecken und Enden. Für einen geregelten Spielbetrieb bedurfte es noch vieler Anschaffungen. Hierzu wurden von den Mitgliedern Opfer der verschiedensten Art gebracht. Dem Vernehmen nach sollen sich hierbei Lehrer Schneider, Heinrich Haas und Hermann Schneider besonders hervorgetan haben. Es wird davon berichtet, daß im Laufe des Jahres 1932 Spiele mit den Nachbarvereinen Weyerbusch, Rimbach, Hasselbach, Gieleroth und Herpteroth ausgetragen wurden. Im Jahre 1932 gab es noch eine willkommene Verstärkung für den Verein. Unstimmigkeiten bei der Fusion zwischen Helmenzen und Altenkirchen führten dazu, daß sich eine Reihe guter Helmenzer Spieler den Birnbachern anschloß. Ein regelmäßiger Spielbetrieb bestand noch bis in das Jahr 1935 hinein. Dann machten sich auch hier die weltpolitischen Auswirkungen stark bemerkbar. Die männliche Jugend wurde für andere Dinge benötigt und stand für den sportlichen Betrieb nicht mehr regelmäßig zur Verfügung. Das hatte zur Folge, daß die Spiele bis Anfang der 40er Jahre nur noch unregelmäßig stattfanden, bis sie dann durch die Kriegswirren ganz eingestellt werden mußten.

 

Neu begonnen nach dem Kriege wurde in Birnbach wie in vielen Nachbarvereinen auch im Jahre 1946. Beschlossen wurde der Neubeginn im Gasthof „Zum Kühlen Grunde“ in Oberölfen. ( Das Haus stand nahe an der Straße B8 und fiel vor einigen Jahren dem Straßenbau zum Opfer.) Den Vorsitz des Vereins übernahm Gerhard Busse. Jugendleiter wurde Willi Lauterbach aus Hemmelzen. Auch dieser Neuanfang war wieder schwer. Für Geld war nichts zu haben. Die dringend benötigten Sportgeräte und Ausrüstungen konnten nur durch „Tauschgeschäfte“ besorgt werden. So gab es beispielsweise in den ersten Jahren nach dem Kriege keine Netze an den Toren. Es stand nur das rohe Torgebälke. Dies führte naturgemäß nicht selten zu Ärger während des Spieles. Es gab dann unterschiedliche Auffassungen zwischen Spieler und Schiedsrichter, ob der Ball im Tor oder daneben war. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß während eines Spiels Fritz Pinkel als begeisterter Vereinsanhänger die sicherlich falsche Schiedsrichterentscheidung mit seinem Krückstock korrigieren wollte. Erst Jahre später wurde dann Maschendraht als Ersatz für Tornetze angebracht. Im Herbst 1946 begannen dann die ersten Meisterschaftsspiele nach dem Kriege. Birnbach spielte mit so bekannten Mannschaften wie Altenkirchen und Honigsessen in einer Staffel. Auch der SSV Weyerbusch war hier vertreten. Die Hinrunde verlief denkbar schlecht. Mit 0:14 Punkten gab es einen miserablen Start. Eine Wende trat allerdings ein, als im März 1947 der hohe Meisterschaftsfavorit Altenkirchen in Birnbach 3:1 geschlagen werden konnte. Auch bei weiteren anderen starken Mannschaften konnte gepunktet werden. In dieser Spielzeit nahmen Werner Räder und Kurt Völz an allen 30 ausgetragenen Spielen teil, wobei Werner Räder mit 19 Toren gleichzeitig Torschützenkönig wurde. Auch in der nächsten Spielzeit 1947/48 ging es sportlich weiter aufwärts. Birnbach konnte sogar um die Tabellenspitze mitspielen, mußte letztlich aber dem Lokalrivalen SV Mammelzen mit einem Pünktchen Abstand den Vortritt lassen. Im Juni 1947 endete der Lokalschlager zwischen Birnbach und Weyerbusch 6:1. Die Zeitung berichtete : „Die Platzmannschaft spielte kampffreudig und geschlossen gut“. In dieser Zeit stellte Birnbach eine sehr starke 1. Mannschaft, vielleicht sogar die stärkste in der Vereinsgeschichte. In dieser Spielzeit absolvierten Gustav Birkenbeul und Kurt Völz die meisten Spiele. Es bleibt aber auch gleichzeitig die herausragende Leistung des äußerst schnellen Torjägers Rudolf Hollmann (Vater von Ulrich Hollmann) zu würdigen. In 20 Spielen erzielte er 22 Tore. Eine überagende Stütze der Mannschaft war zu dieser Zeit Adolf Schmidt. Verwandtschaftliche Beziehungen mit der Familie Haas hatten ihn zu den „Grün - Weißen“ geführt. Er hatte das Fußballspielen in Koblenz gelernt. Sein Markenzeichen war ein rotes Trikot von „Rot - Weiß“ Koblenz Er trug es stets weil nicht genügend grün-weiße Trikots vorhanden waren. Leider erlitt er in einem Spiel in Birnbach einen Beinbruch und konnte anschließen nie mehr zu seiner früheren Leistung zurückfinden.


Nachstehendes Bild zeigt den Kern der damaligen 1. Mannschaft von "Grün-Weiß" Birnbach:

1._Mannschaft_Grun_Weiss_Birnbach_1947

Von links nach rechts:

Birkenbeul; W. Räder; R. Hollmann; K. Völz; H. Stein; F. Dobkowitz; H. Fuchs; W.Asbach; W. Wannagautzki; H. Seinsch; A. Schmidt.


Während dieser Zeit war nicht nur die 1. Mannschaft in den Spielbetrieb einbezogen , es gab auch eine 2. Mannschaft und eine Jugendmannschaft, die überwiegend aus der Schülermannschaft der Volksschule Birnbach hervorging. Aus dieser Jugendmannschaft wurden in den Jahren 1949 und 1950 mehrere Spieler in der 1. Mannschaft eingesetzt. (U. a. Alles, Hassel, Marenbach, Schumacher, Stawitzki). Ein Zeichen, daß diese Jugendmannschaft gut war. Interessant erscheint das nachfolgende Bild, das Ostern 1949 drei damalige Jugendliche im Trikot der 1. Mannschaft von „ Grün - Weiß „ Birnbach zeigt.

3_Jugendliche_im_Grun_Weiss_Trikot_1949

Von links nach rechts:

H. Stawitzki; P.-G. Weßler; M. Schumacher


Man kann davon ausgehen, daß der Höhepunkt des Vereinslebens in den Jahren 1947 bis 1949 lag. Im Vereinslokal „ Dreimädelhaus“ in Birnbach wurde die Geselligkeit groß geschrieben. Es bestand zeitweise auch eine Theatergruppe. Im Herbst 1948, kurz nach der Währungsreform, wurde ein drei Tage dauerndes Sportfest verbunden mit einem Fußballturnier gefeiert Das Festzelt stand auf einer Wiese, die unmittelbar nördlich an den Sportplatz angrenzte. Bei gutem Wetter war an allen drei Tagen reger Besuch zu verzeichnen. Dinge, auf die lange Jahre verzichtet werden mußte, waren nun wieder zu haben. Das wirkte sich natürlich auch auf den Festverlauf aus. Allerdings blieb die Stimmung an einem Tag nicht ganz ungetrübt. Während des Fußballturniers am Sonntag hatte es Unstimmigkeiten mit der Leuscheider Mannschaft gegeben. Ein Teil der Mannschaft erschien abends im Festzelt und wollte das vermeintliche Unrecht auf ihre Art „sühnen“. Nachdem noch ein Polizeibeamter aus Weyerbusch eingreifen mußte, konnte das Fest friedlich fortgesetzt werden. Im Laufe des Jahres 1949 gab es die ersten Anzeichen einer nahenden Vereinskrise. Aus den verschiedensten Gründen standen nicht mehr alle Spieler zur Verfügung. Daher mußten auch teilweise Jugendspieler in der 1. Mannschaft eingesetzt werden. Auch im Vorstand des Vereins gab es Änderungen. Heinrich Seinsch hatte den Vorsitz übernommen. Aus beruflichen Gründen mußte er aber bald Birnbach verlassen. Erich Diener hatte kurzfristig das Amt inne. Schriftführer war lange Jahre unser heutiges Ehrenmitglied Wilhelm Bellersheim. Er hat noch lange nach der Vereinsfusion so manches Fußballspiel als Schiedsrichter in Weyerbusch geleitet. Am 14.10.1950 kam es dann, für Viele unverständlich, zur Auflösung des Vereins. Mit dem Nachbarverein Weyerbusch kam man überein, daß die aktiven Spieler aus Birnbach sofort in den dortigen Spielbetrieb eingeordnet wurden.